Argentinien 7

 

 

 

Aus den Bergen an die Küste

 

 

Nicht nur die beeindruckende Natur, sondern auch die Menschen hier machen unsere Reise so abwechslungsreich und interessant.

 

Da ist gleich in Rio Gallegos die 87-jährige, die noch einen Campingplatz und ein Haus für Geburtstagsfeiern führt. Obwohl sie betont, dass es so langsam Zeit für sie wäre – und sie deutet nach oben – hat sie noch viele Pläne. Am Abend brät sie ein Hähnchen und zusammen mit Rolf und Sandra aus Stuttgart sitzen wir um den Tisch. Sie genießt, dass sie nicht alleine essen muss. Dabei erzählt sie viel aus ihrem interessanten Leben..

 

Nach El Calafate zieht es alle, die den bekannten Gletscher Perito Moreno besichtigen oder das Seefest besuchen, das den ganzen Monat dauert. Die Stadt platzt aus allen Nähten. Der Campingplatz ist überfüllt und der Zugang wird kontrolliert. Vor den Tankstellen warten bis zu 40 Fahrzeuge, um Sprit zu bekommen. Schon nachmittags beschallen Lautsprecher die ganze Stadt mit Musik.

 

Wir stehen ein bisschen außerhalb auf einem wenig attraktiven Parkplatz, der zu einem Hostel gehört und benutzen ein „Privatbad“. Die herzliche junge Frau an der Rezeption versorgt uns mit Informationen zu unseren nächsten Zielen, zeigt Fotos im Internet und schwärmt, wie „lindo“ und „hermoso“ alles ist. Und das, obwohl es im Hostel zugeht wie in einem Bienenhaus.

 

Auf unserem Weg zum Gletscher übernachten wir ganz spartanisch auf einer Estancia. Der Blick auf den See und der nächtliche Sternenhimmel entschädigen dafür.

 

Der Perito Moreno Gletscher fließt sozusagen in den Lago Argentino. Er ragt bis zu 70 m hoch aus dem Wasser, bewegt sich jeden Tag zwei Meter weiter und die Eisbrocken stürzen mit Getöse in den See. Über viele angelegte Wege können wir das Schauspiel aus sicherer Entfernung betrachten.

 

El Chalten ist die argentinische Hochburg für Trekking. Der Ort ist voller Menschen, ausgerüstet mit schweren Rucksäcken, Wanderstöcken und festen Schuhen. Auf einem Rasenplatz stehen wir umgeben von vielen kleinen Zelten. Im Aufenthaltsraum reges Treiben. Es wird gekocht, gegessen, geduscht. Schlanke junge Männer mit langen Haaren und Rasta-Locken, zu Pferdeschwänzen oder „Knödeln“  geschlungen, sitzen bis in die Nacht, diskutieren und bereiten sich wohl auf eine größere Tour vor. Oder hängen einfach nur so rum.

 

Der berühmte Gipfel „Fitz Roy“ (3445 m) hält sich bedeckt. Er zieht die Wolken förmlich an. Doch bei einem Ausflug zum Lago Desierto lässt er sich in seiner ganzen Pracht bewundern. Wir fahren durch ein wunderschönes Flusstal, rechts und links von Gipfeln umgeben. Am glasklaren See steigen Passagiere aus einem Boot. Sie sind zu Fuß oder mit dem Rad von Villa O’Higgins am Ende der chilenischen Carretera Austral über einen Pass gewandert, um dann per Schiff nach Argentinien zu kommen. Jetzt haben sie nochmal 32 Kilometer vor sich, auf steiniger Piste mit vielen Wasserlöchern, bis sie wieder auf eine normale Straße kommen. Respekt!

 

Wir haben inzwischen so viele Berge gesehen, dass es uns wieder ans Meer zieht. Und so ist unser nächstes Ziel Gobernador Gregores. Ein Ort mitten im Nirgendwo. Umgeben von flacher trockener Landschaft. Dort müssen wir zuerst in den Supermarkt. Die Vorräte gehen zur Neige. Vor allem suchen wir Joghurt ohne Geschmack. Den gibt es seit unserem letzten Grenzübergang nicht mehr zu kaufen. Es wird nur die papp-süße Variante mit Aromen und Farbstoff angeboten.

 

Tagelang sehen wir nur trockene Steppe, ab und zu ein paar Hügel. Kilometer um Kilometer Zäune entlang der Straße. Ein paar Kühe, Pferde und Schafe. Abwechslung bringen die vielen Guanakos, die am Rande der Straße grasen und mit eleganten Sprüngen über die Zäune springen. Auch sehen wir immer wieder Nandus, die sehr schnell davon eilen. Mitten auf der Straße sitzen Gürteltiere, die auf der Flucht vor Beppo hurtig an den Straßenrand tippeln.   

 

So erreichen wir das verschlafene Puerto San Julian am Atlantik. Auf einer Fahrt entlang der Küste sehen wir auf einer Insel ganz in der Ferne Pinguine und können zum ersten Mal recht nah eine große Gruppe Seelöwen beobachten.

 

Vor 15 Millionen Jahren löste die Teilung der Kontinente starke Stürme aus, die viele bis zu 100 m hohe und 3 m dicke Bäume fällten. Vom Ascheregen der Vulkanausbrüche bedeckt, versteinerten sie im Laufe der Zeit. Die Erosion hat die Stämme wieder freigelegt und so können wir heute bei 37° Hitze und heftigen Windböen diese Urwaldriesen betrachten. In einer Halbwüste mit nur 200 mm Niederschlag pro Jahr. Wir kommen uns ein wenig vor wie auf einem anderen Planeten.

 

Übernachten können wir hier ein paar Kilometer weiter auf der Estancia La Paloma. Der Besitzer lebt hier ganz alleine und freut sich, dass wir kommen. Kehrt extra Küche und Bäder aus, die vom ewigen Wind voller Sand sind. Hier treffen wir auf Christine und Fielip aus Belgien, die uns von ihrer früheren Reise durch Sibirien, Mongolei und Japan erzählen. Unglaublich, was die alles erlebt haben.

 

Wir erleben hier einen wunderschönen Sonnenuntergang und totale Ruhe in der Nacht. Es ist so dunkel, dass wir unzählige Sterne und die Milchstraße bewundern können.

 

(24.02.2018)

 

El Calafate:

Farbenprächtiger Lago Argentino. Geschäfte mit sehr schönem Kunsthandwerk im Ort.

Spaziergang an der Laguna Nimez, ein Vogelschutzgebiet. Wir werden beobachtet.

 

Auf dem Weg zum Perito Moreno Gletscher:

Magere Vegetation. Tiefes Ripio (Waschbrett-Piste). Eigene Formen durch den ständigen Wind.

Auf der Estancia Rio Mitre.

 

Der Perito Moreno Gletscher in all seinen Facetten. Und was am Wegrand so alles wächst.

 

Trekkinghochburg El Chalten - sanfte Hügel, schroffe Gipfel und ewiges Eis.

Der berühmte, fast unbezwingbare Cerro Fitz Roy. Schöne Ausblicke auf dem Weg zum Lago Desierto.

 

Puerto San Julian mit der Küstenstraße am Atlantik:

Unsere Freunde immer dabei. Verlassene Fischfabrik. Kiesel und Schnecken am Strand..

Ausblick auf Seelöwen und Kormorane. Angenehme Ruhe in der bunten Kirche inmitten der Stadt.

 

Bosque Petrificado:

Sand und alte Vulkankegel. Riesenstämme 150 Mio. Jahre alt. Kaum zu glauben, dass dies Gestein ist.

Selbst die Farbe der Rinde sieht lebendig aus. Auf dem "Camping La Paloma". Intimsphäre auf der Toilette.

Impressionen einer Estancia in the middle of nowhere.

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Kommentare: 5
  • #1

    Marianne (Samstag, 03 März 2018 20:30)

    Hallo ihr Pfadfinder.
    Um Gottes Willen, sind pimbo und miguelito abgehauen� und haben sie bei den patagonischen Indianern um Asyl gebeten. Ich hoffe doch , ihr könnt sie wieder überreden mit euch weiterzureisen. Versucht es mir dünnen Spätzle. �
    Dickes abrazo marianne

  • #2

    Marianne (Samstag, 03 März 2018 20:47)

    Nachtrag : bei alnatura gibt's diese Woche naturjoghurt im Angebot.
    Nur dass ihr das wisst

  • #3

    Marianne (Montag, 05 März 2018 13:35)

    Tut mir leid. Alnatura kann leider niemand zur Anlieferung im untersten Teil der Welt freistellen. � ich habe es versucht.
    Vielleicht liegt es auch daran , dass ihr keinen festen Wohnsitz habt. Diskriminierung pur.��

  • #4

    Uschi (Donnerstag, 08 März 2018 13:45)

    Wie immer ganz tolle Bilder. Ich bin beeindruckt was Ihr alles auf Eurer Reise zu sehen bekommt.
    Liebe Grüße aus Pataguay

  • #5

    Dario (Freitag, 09 März 2018 23:44)

    Die Macht der Natur kommt in den Gletschern und den versteinerten Bäumen stark zum Ausdruck.
    Weiterhin genussvolle Reiseerlebnisse mit interessanten An- und Einsichten wünschen Euch Anu und Dario.