Uruguay 5

 

 

 

Alte Städte, Strände am Rio de la Plata und schöne Thermen

 

 

Ein Zollhund hat den Beppo bereits vor der Abreise in Buenos Aires  gründlich durchsucht.  Im Gegensatz zu Chile und Argentinien ist hier in Uruguay niemand an unseren Lebensmitteln interessiert.

 

Colonia del Sacramento lohnt einen Besuch. Es ist die älteste Stadt Uruguays. So mieten wir ein Zimmer im Remus Art Hostel. Chris, aus Deutschland, hat das Haus liebevoll gestaltet und ist eine aufmerksame Gastgeberin. Wir bummeln jeden Tag durch die Gassen der Altstadt, verbringen einen Regentag gemütlich im Haus. Dann besuchen wir nicht weit entfernt die älteste Bodega des Landes. Die Führung ist in Spanisch. Und - kaum zu glauben – für ein australisches Paar übersetzen wir ins Englische!

 

Hier in Uruguay freuen wir uns wieder über viele bunte Vögel, entdecken aber auch handtellergroße Vogelspinnen, die unter Beppos Reifen kriechen oder einfach so über die Straße spazieren.

 

Der nächste Ort, der uns interessiert, ist Colonia Valdense. Hier haben sich 1850 die Waldenser aus dem Piemont niedergelassen. Im Landwirtschaftsmuseum führt uns eine nette Dame durch die Räume und erklärt uns alles. Im Nachbarörtchen treffen wir auf einen netten Herrn aus Montevideo, der uns dort die Sehenswürdigkeiten zeigt. Nach so viel Spanisch schwirrt und der Kopf!

 

Nicht weit davon entfernt ist Nueva Helvecia, wo sich Schweizer angesiedelt haben. Überall sehen wir an den Hauswänden die Wappen der einzelnen Kantone, doch "Schwyzer Dütsch" ist nirgends zu hören. Bei der Kirche spricht mich eine lebhafte alte Dame an. Sie will uns unbedingt das 1910 erbaute Gebäude des Frauenvereins zeigen. Stolz führt sie uns durch die Räume des heutigen Seniorenheims. Überall sitzen alte Damen, die wir alle begrüßen. Für uns wäre sogar ein Zimmer mit Bad frei. Wir beschließen, dass wir mit dem Einzug noch ein bisschen warten. Herzlich werden wir verabschiedet und können es kaum fassen, wie offen und nett die Menschen hier auf Fremde zugehen.

 

Am Nachmittag erreichen wir unsere neue Unterkunft bei einem B&B, wo wir im Garten stehen können. Das Badezimmer im großen Haus, Handtücher, der Pool im großen Garten, Fahrräder und leckeres Frühstück inbegriffen. Die Besitzerin, Enkelin des Gründers der daneben liegenden Winzerei, bringt uns zum Abendessen noch eine Flasche Tannat und bietet uns für den nächsten Tag eine Führung durch die Bodega an. Kaum zu glauben, was uns so passiert!

 

In Fray Bentos steht die alte Fabrik, in der in Zusammenarbeit mit Gustav von Liebig aus 32 Kilogramm Rindfleisch ein Kilogramm Fleischextrakt produziert wurde. In den besten Zeiten waren 4500 Menschen aus sechzig Ländern hier beschäftigt. Leider waren diese guten Umsätze immer im Zusammenhang mit einem Krieg. Heute gehört die Fabrik zum UNESCO-Weltkulturerbe.

 

Während der Besichtigung einer Halle hören wir plötzlich einen lauten Knall. Erschrocken blicken wir nach oben. Teile lösen sich von den Oberlichtern aus Glas. Wieder und wieder knallt es. Eine Frau wird leicht verletzt. Wir haben Glück. Uns ist nichts passiert.

 

Einige Tage später erreichen wir Paysandú. Für Overlander bieten Marcelo und Laura einen Stellplatz auf ihrem Grundstück an. Die beiden waren mit ihren Söhnen Lucas und Bruno zwei Jahre lang unterwegs in Mexiko und Südamerika. Gleichzeitig ist noch ein junges französisches Paar hier, das die Gastfreundschaft schon seit sechs Tagen genießt. Zwei Abende sitzen wir um den großen Tisch vor dem Haus, trinken Mate, essen zusammen, reden und diskutieren über Gott und die Welt. Sprachlos und angerührt über so viel Herzlichkeit und Offenheit sind wir gar nicht einverstanden, dass die beiden keinerlei Bezahlung verlangen.

 

Die letzten Tage in Uruguay verbringen wir bei den Heilquellen von Salto. Wegen der Semana Santa (Osterwoche) sind alle Orte total überfüllt. Über eine wirklich schlechte Piste schleichen wir zu den heißen Quellen von San Nicanor. Wir checken im Hotel ein. Dort adoptieren uns zwei Hunde, die begeistert neben dem Beppo her laufen, bis wir die zwei Kilometer entfernte Therme mit dem Campingplatz erreichen. Die  Becken liegen, umgeben von einigen Seen, Palmen und blühenden Büschen, mitten in der Natur. Rund um uns fliegen, hüpfen und lärmen unzählige Vögel. Ein kleines Paradies.

 

Auch hier campieren viele Familien. Trotzdem ist es recht ruhig. Unsere beiden Hunde liegen neben oder unter dem Beppo, verbringen Tag und Nacht bei uns und freuen sich am Morgen überschwänglich, wenn wir aus dem Auto steigen. Als der Besitzer sie am zweiten Abend in seinen Pickup packt, damit sie wieder etwas zu fressen bekommen, sind wir richtig traurig und vermissen unsere treuen Gefährten.

 

Am Ostersamstag verlassen wir in der Früh diesen schönen Ort und fahren in Richtung argentinische Grenze.

 

(31.03.2018)

 

Colonia del Sacramento:

Gebäude aus der Kolonialzeit und schattige Alleen.

Badestrand, Blüten an stachligen Bäumen und die Ruhe einer Provinzstadt.

Oldtimer stehen am Straßenrand. Die Kapelle aus spanischer Zeit. Sonnenuntergang am Rio de la Plata.

 

Das ganz besondere Art Hostel. Chris dekoriert täglich neu. Zum Abschiedsfrühstück gibt es noch gebackenen Käse nach Gaucho-Art.

 

In der historischen Bodega San Julian.

Und in der edlen Bodega Narbona.

 

Nueva Helvecia:

Maibaum mit Schweizer Käse. Im Landwirtschaftsmuseum. Der Friedhof mit vielen Namen aus Europa.

Carmelo:

Die interessante Drehbrücke. Ganz versunken. Schönes Licht- und Schattenspiel in der Kirche.

 

Fray Bentos:

Am Hauptplatz. Das Wasser im Rio Paraguay steht etwas hoch. Das wunderschöne alte Theater mit persönlicher Führung.

Altehrwürdig und bunt bemalt. Sonne und Wolken am Abend.

 

Liebigs Fleichfabrik:

Das Verwaltungsgebäude mit Großraumbüro. Corned Beef aus Uruguay. Bilder aus der großen Schlachterei.

Produktionsstätten, alt und morbid. Gewaltige Maschinen.

Elektrische Schalttafeln. Transportstraße zum Kühlhaus. Alles liegt jetzt ausgestorben.

 

Paysandú:

Friedhof der Reichen. Italienische Künstler gestalten italienischen Marmor. Etwas einfacher die Häuser der Gegenwart.

 

Termas de San Nicanor:

Weit weg von der Stadt. Heiße Quellen zum Entspannen. Südseeflair.

Luna und Cooky, zwei treue Gefährten. Sie begleiten uns sogar zur Therme.

Unzählige Cachorras (Klatschweiber) haben immer was zu kreischen. Ein wunderschöner Ort.

 

Salto:

Edle, alte Gebäude und interessante Wandmalereien.

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Kommentare: 4
  • #1

    Dagmar (Donnerstag, 05 April 2018 16:53)

    hallo ihr,

    schade, dass ihr kein Foto von meiner zukünftigen Mitbewohnerin - Frau Vogelspinne - gemacht habt. Lasst sie aber ja nicht verhungern. Sie ist ganz gern mal ne Maus.
    Die Katze könnt ihr auch mitbringen. Vielleich können sie sich ja riechen.....und Katzen essen ja auch gern Mäuse.
    Jetzt aber Spass beseite....danke wie immer für Texte und Fotos. Wie immer sehr informativ und zu Träumen anregend.Weiterhin gute Reise und ein gutes Miteinander.
    Dagmar

  • #2

    Dario (Sonntag, 08 April 2018 22:21)


    Hallo ihr Lieben,
    Euer Spanisch scheint ja mittlerweile sehr gut zu sein.
    Wie erwartet wieder sehr eindrucksvolle Aufnahmen.
    Gute Reise weiterhin!
    Dario

  • #3

    Marianne (Montag, 09 April 2018 12:48)

    Hallo meine nochhundertzehntagereisenden.
    Wie jeder Blog, wunderschön.
    Ihr hättet die Hunde nur füttern müssen, sie wären mit dem Besitzer nicht mehr mitgegangen.
    Wie war das mit dem schlechten Weg und den Löchern und wer ihn zu Ende geht usw.... Das müssen wir dann im August noch besprechen.
    Weiterso
    Abarzo Marianne

  • #4

    Christine u. Jürg (Mittwoch, 11 April 2018 10:28)

    maravilloso como siempre
    und weiterhin so bereichernde Begegnung mit Menschen, wunderbare Landschaften, unberührte Natur, faszinierende Flora und Fauna, spannende Entdeckungen aller Arten und und und ........
    Seid herzlich gegrüsst aus dem Schwiezerländli
    Christine u. Jürg

    PS gut in Position gesetzt habt ihr den Bündner Steinbock !