Paraguay 4

 

 

 

Hasta la Pasta und durch den Chaco

 

 

Unsere nächste Station ist Hasta la Pasta, das wunderschöne Grundstück von Marion und René. Hier stehen diesmal schon einige Overlander, die meisten mit großen LKWs. Dort lernen wir beim gemeinsamen Grillabend „Bummel mit Pummel“ persönlich kennen. Die beiden sind seit Jahren unterwegs und beschreiben im iOverlander (Forum für Reisende) alle Plätze auf denen sie je gestanden sind. Regula, die Schweizerin, ist mit einem alten VW-Transporter ganz alleine unterwegs.

 

Wir stehen im Schatten unter großen Bäumen, genießen den Pool und machen Ausflüge in die nähere Umgebung.

 

Nach einem opulenten Schweizer Frühstück verlassen wir den angenehmen Ort, nicht ohne uns vorher mit Renés Nudeln und Marions Marmelade eingedeckt zu haben.

 

Die Straße in den Chaco führt uns durch üppig grünes Land mit viel Gebüsch, Schlingpflanzen, Säulenkakteen  und Palmen. Immer wieder stehen große Flächen unter Wasser. Es hat in den letzten Wochen viel geregnet. Jetzt ist es brütend heiß. Am Abend dauert es sehr lange, bis im Beppo angenehme Temperaturen herrschen. Wir übernachten bei einer Tankstelle. Die ganze Nacht donnern hier überlange Viehtransporte vorbei und bei mindestens drei Fahrzeugen werden in unserer Nähe die Reifen gewechselt. Trotzdem schlafen wir recht gut, bewacht von einer Polizeistreife, die in unserer Nähe steht.

 

Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Filadelfia, der Hauptstadt des Chacos. Die Straße wird schlechter und wir fahren in Schlangenlinien um die tiefen Schlaglöcher. Zu beiden Seiten beobachten wir viele Vögel. Eine Schlange gleitet über den Asphalt und wir vertreiben immer wieder Raubvögel und Geier, die sich auf der Straße niedergelassen haben.

 

In Filadelfia angekommen, stellen wir den Beppo beim Hotel Florida ab. Hier können wir die Bäder beim Pool benutzen und stehen inmitten herrlich blühender Pflanzen. Am Nachmittag gönnen wir uns einen Apfel-Schmand-Kuchen mit einer großen Tasse Kaffee im deutschen Café am Ort. Bei Adita gibt es auch einen tollen Eiskaffee.

 

Im Chaco haben sich ab 1930 viele Mennoniten niedergelassen, die seit dem 16. Jahrhundert von der Schweiz nach Holland, über Preußen und Polen bis nach Russland zogen. Immer auf der Suche nach einem Land, wo sie ihren Glauben, ihre Sprache und ihre pazifistische Einstellung leben konnten. In der Stalinzeit waren sie dort auch nicht mehr sicher. So flohen die einen über Deutschland, die anderen über China nach Kanada und dann nach Paraguay.

 

Wir besuchen am Sonntag den Gottesdienst der mennonitischen Gemeinde und werden danach spontan von Annegret und Bernhard zu ihrem Haus eingeladen. Dort unterhalten wir uns beim Tereré (kalter Mate) über die Siedlungen im Chaco und über das Leben hier.

 

Um mehr zu erfahren, besuchen wir einige Museen in Filadelfia, besichtigen die moderne Molkerei in Loma Plata, besuchen die erste Kirche in Osterwick und sehen uns in Neu-Halbstadt einen Imagefilm über die Kolonie hier an. Und immer wieder nehmen sich die Leute Zeit für uns. Nach so vielen Information erholen wir uns am Pool.

 

Bis zum ersten größeren Ort in Bolivien liegen noch 430 km und ein Grenzübergang vor uns. Da macht ein Zwischenstopp Sinn. Wie es sich herausstellt, ist die Transchaco hinter Filadelfia sehr löchrig und verwandelt sich für etliche Kilometer in eine unsägliche Staubpiste (vergleichbar mit Type 00 beim Mehl). Wir schleichen mit 15 km/h dahin. Viele Lkw kommen uns entgegen, kämpfen sichtlich mit dem schlechten Untergrund. Im Beppo wird es wieder unerträglich heiß, der Schweiß tropft von unseren Gesichtern.

 

So sind wir froh, als wir La Patria erreichen. Ein Ort mit einigen Häusern , einem Lokal und einer Tankstelle. Wir stehen beim etwas vernachlässigten Dorfplatz und erreichen die neuen Toiletten der Tankstelle über 5 cm dicken roten Staub. Die neuen Falttüren lassen sich zwar nicht verschließen und vor das Loch in der Dusche schieben wir eine alte Holztür. So steht einer draußen Wache, während der andere mit Genuss das Salz von der Haut wäscht.

 

Obwohl draußen verschiedene Musikrichtungen um die Vorherrschaft kämpfen, die Jugendlichen mit ihren Mopeds lärmend um den Platz kreisen, alle Dorfhunde gleichzeitig bellen und die Hähne sogar nachts krähen – wir schlafen wie die Steine. Selbst die blutrünstigen Moskitos wecken uns nur einmal auf. Und als am Morgen gegen 05:30 Uhr alle Vögel in ein Konzert ausbrechen, stehen wir auf. Jetzt ist es noch angenehm kühl für das Frühstück und wir sind bald wieder auf dem Weg zur Grenze. Wir freuen uns über die nun sehr gute Straße, kommen zügig voran und erreichen bald die Grenze.

 

So verlassen wir Paraguay, das viel mehr zu bieten hat, als wir und vorstellen konnten.

 

(26.04.2018)

 

Ausflüge in der Umgebung von Hasta la Pasta:

Die Basilika von Caacupe mit Körnerschmuck im Innern. Alle Schüler tragen eine Schuluniform.

In Tobatí stehen viele Ziegelbrennereien. Beim Mirador treffen wir auf streng blickende Indios. Der Artesania-Laden hat hübsche Andenken.

Am Weg entlang stehen viele Palmen. Wunderschöner Holzaltar in der Kirche von Atyrá . Im Naturpark Cerro Koi.

 

Der breite Rio Paraguay. So wohnt man entlang der Transchaco. Entlang der Straße - abfackeln statt mähen.

Weites, flaches, heißes Land. Die Blüte vom Flaschenbaum, unter dem Beppo steht.

 

Alles Sandstraßen in der Umgebung und in Filadelfia. In der Stadtmitte. Tilandsie hoch oben.

Der wunderschöne Kardinal. Reiher an einer Salzlagune nahe Filadelfia.

Tolle Natureindrücke. Zwei ungleiche Freunde. Nach langem Regen steht das Wasser auf den Wiesen.

 

Mariscal Estigarribia.

Prächtige Backsteinkirche im militärischen Sperrgebiet. Ein Flughafen, der nie genutzt wurde und vor der bolivanischen Grenze ein Supermarkt mit Tanke ohne Funktion. Das Ende der Zivilisation.

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Kommentare: 2
  • #1

    marianne (Donnerstag, 03 Mai 2018 20:50)

    Hallomeineimviertenquartalbefindendenreisenden,
    Ihr strapaziert den Beppo ja heftig. Das gute daran ist, dann kann ihn hier nichts mehr schocken. Durfte Beppo auf dem Flugplatz mal voll aufdrehen und alles rausblasen?
    Jürgen: hast du Vorfahren, die ausgewandert sind. Der eine junge Typ mit dem hübschen Hut sieht Dir ähnlich. Voll trendig.
    Dickes fettes Abrazo
    Marianne

  • #2

    Dario (Sonntag, 06 Mai 2018 23:56)

    Wer ist der der lächelnde Indio neben dem Bild mit den streng blickenden Indios?