Bolivien 2

 

 

 

Dem Himmel entgegen

 

Die Strecke nach Uyuni ist landschaftlich unglaublich schön und abwechslungsreich. Felsen in allen Farben, Schlösser und Burgen aus Sandstein. Die Straße steigt bis auf 4200 m hoch. Die wunderbar neue Teerdecke ist noch nicht durchgängig. So sind auch immer wieder Staubpisten zu überwinden. Am Schluss fahren wir durch eine Dünenlandschaft und sehen von weitem den Salzsee in der Sonne glitzern.

 

Beppo steht auf dem staubig grauen Hof der einfachen Behausung von Leonor und Emilio. Seit zwei Wochen ist Leonor Mutter eines Zwillingspärchen. Sie ist ans Haus gebunden, langweilt sich. Denn im Tragetuch kann sie nur ein Kind mitnehmen. So kommt sie immer wieder, um sich mit uns zu unterhalten.

 

Uyuni ist ein trostloser, hässlicher Ort. Nur der Stadtkern ist ein wenig netter. In der Gegend wird Lithium abgebaut. Wenn wir sehen, unter welch einfachen Bedingungen die Menschen hier leben, wird es für uns immer unverständlicher, dass bei uns in Deutschland so viel Unzufriedenheit herrscht.

 

Wir buchen eine Tour zum Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt. Gegen 10:30 Uhr werden wir abgeholt und fahren circa 150 km auf dieser 12.000 km2 großen Salzfläche, die in der Mitte bis zu 5 Meter dick ist. In der Nacht wachsen auf Beppos Scheiben zum ersten Mal Eisblumen. Dank unserer Ausrüstung frieren wir nicht.

 

Tags darauf geht es 280 km auf einer sehr guten Straße über zwei Pässe (bis 4221m). Wir kauen Coca-Blätter und trinken Coca-Tee, um uns besser an die dünne Luft zu gewöhnen. So erreichen wir die Großstadt Potosi, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Und weil es keinen vernünftigen Platz gibt, wohnen wir im kleinen Hotel. Der staubige Beppo steht mitten in der Lobby, gut verwahrt und sicher.

 

Obwohl wir uns Zeit gelassen haben, machen uns Höhe und auch Trockenheit zu schaffen. Jürgen verbringt atemlose Nächte fast ohne Schlaf im Sitzen, die Haut an den Fingerspitzen und -gelenken bricht auf, die Nase blutet.

 

Entschädigt werden wir durch die wunderschöne Altstadt von Potosi, die vom einstigen Reichtum der Spanier berichtet. Unter unmenschlichen Bedingungen mussten die Indigenas im Cerro Ricco Silber abbauen. Noch heute wird in diesem Berg nach Metallen gesucht.

 

Stundenlang bummeln wir bergauf und bergab, besichtigen Museen, steigen auf Türme mit weitem Blick und lassen uns zu Mittag ein Lama-Steak schmecken. In der alten Münze wurden bis in die 60-er Jahre Silbermünzen geprägt. Im Karmeliterkloster staunen wir über die vielen Kunstschätze und erfahren, wie die adeligen Töchter hier abgeschieden von der Welt lebten. In den Straßen wimmelt es von Menschen. An jeder Ecke sitzen Frauen in Tracht, verkaufen Essen und Getränke. Ihre Kinder spielen auf dem Boden. Eine spaziert mit einem Lama an der Leine vorbei.

 

Wir fahren Richtung La Paz. Nachdem wir unseren bisher höchsten Pass mit 4321 m überwunden haben, kommen wir auf eine Hochebene, die sich flach vor uns ausbreitet. Straßenbautrupps  bessern Löcher im Asphalt aus. Der Teer kocht auf dem offenen Feuer.

 

Vorbei an Lamas, Kühen, Schafen und Eseln erreichen wir unseren nächsten Stopp für eine Nacht. Das einzige Zimmer, das wir finden, wird vielleicht auch stundenweise vermietet. Trotzdem schlafen wir so gut, wie schon seit Tagen nicht mehr.

 

Am nächsten Morgen geht es weiter geradeaus, bis wir den Außenbezirk von La Paz erreichen. Zu unserem hübschen Camping geht es 800 m steil bergab und Jürgen hat alle Mühe, den Beppo auf dem winzigen Stellplatz einzuparken.

 

Auf dem Camping Colibri geht es uns richtig gut. Endlich können wir nachts wieder schlafen. Mit dem Taxi fahren wir in die Großstadt und schlendern stundenlang staunend und fasziniert durch die Straßen mit den vielen Märkten. Einen Tag später machen wir eine Rundtour mit den Seilbahnen. Aus luftiger Höhe betrachten wir die Millionenstadt.

 

Die Strecke von La Paz bis Copacabana ist eine der schönsten in den Anden. Doch bevor wir den Pass mit dem herrlichen Blick auf den Titicaca-See erreichen, quälen wir uns durch den dichten Verkehr von „El Alto“, dem höchsten Stadtteil von La Paz (4090 m).

 

Wir sind zu Fuß in Copacabana unterwegs und schnaufen im Schneckentempo auf den Kalvarienberg, der 150 m höher liegt. Von oben ist der Ausblick auf den See wunderschön. Mit dem Boot machen wir einen Ausflug zur Sonnen- und zur Mondinsel.

 

Fast wehmütig verlassen wir Bolivien. Schade, dass wir nicht länger bleiben können. Wir waren skeptisch. Und dann hat uns dieses Land positiv überrascht, mit seiner gewaltigen Landschaft, seinen zahllosen bunten, übervollen Märkten und seinen freundlichen Menschen. 

 

Ob es uns in Peru genauso gut gefällt?

 

(21.05.2018)

 

Auf der Fahrt nach Uyuni.

Sanddünen wie am Meer. Staubige, etwas trostlose Stadt. Baby an Bord - Für eine Stunde Oma und Opa.

 

Uyuni:

Der alte Eisenbahnfriedhof. Erinnerung an die Rally Dakar, die hier stattfand. Salz soweit das Auge reicht!

Gruppenbild. Man gibt sich international. Inkahuasi, Insel mitten im Salzsee.

Plötzlich Gefahr im Anzug. Licht und Schatten bei Sonnenuntergang.

 

Von Uyuni nach Potosi:

Pulacayo, Bergarbeitersiedlung, die schon bessere Zeiten hatte. Bunte Sandsteinfelsen.

Ständig wechselnde Landschaften. Die ersten Vicunas.

 

Potosi:

Blick auf den "reichen Berg". Wunderschön verzierte Kirchen. Typische Bekleidung der Damen.

Auf dem Hauptplatz. Indigene Steinmetzarbeiten. In den Gassen der Altstadt.

 

La Paz:

Über die Riesenstadt mit der Doppelmayr-Seilbahn. Die Stadt breitet sich immer mehr aus. Power-Napping am Mittag.

Kunterbuntes Kunsthandwerk. Gemüse, Kräuter und Wundermedizin auf dem "Hexenmarkt". Strickkunst.

Die Damen beim Einkaufsbummel. Ein Spaziergang durch die Straßen. Hübsche alte Busse im dichten Verkehr.

 

Auf dem Weg zum Titicaca-See. Kann man dieser Fähre trauen? Alles wird auf dem Rücken transportiert.

 

Copacabana am Titicaca-See:

Ein recht hübscher Hafen. Mühsamer Aufstieg auf den Kalvarienberg. Belohnt durch den weiten Blick.

Suppen-Verkäuferin hoch oben auf dem Berg. Kreuzweg und Verkaufsstände. Der Kirchplatz im Ort mit vielen Verkaufsständen.

 

Die Bootsfahrt zur Sonneninsel. Die alte Treppe hinauf zur Inca-Quelle. Von oben ein weiter Blick auf den Titicaca-See.

Futter für Schafe und Esel. Unterkunft für Gäste. Abendstimmung auf dem See.

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Kommentare: 3
  • #1

    Dario (Dienstag, 29 Mai 2018 00:21)

    Boah, Landschaften wie auf einem anderen Planeten! Hoffentlich habt ihr euch am Titicacasee gut erholt für die Weiterreise nach Peru!

  • #2

    Dagmar (Mittwoch, 30 Mai 2018 20:43)

    Hallo ihr Lieben, lange nicht geschrieben und doch gut informiert dank Marianne. Es ist wirklich unglaublich was ihr so alles erlebt, seht, riecht und fühlt. Die Bilder sind so wunderschön. Jürgen, pass gut auf dich auf!!!! Freu mich schon riesig auf unser Wiedersehen.
    Ganz lieber Gruß
    Dagmar

  • #3

    Götz Wolfgang (Montag, 04 Juni 2018 14:43)

    Hallo Jürgen und Sonja,
    das sind wunderschöne Bilder.
    Wünsche euch weiterhin eine schöne Reise und kommt wieder gut nach Hause.
    Schöner Gruß
    Wolfgang