Argentinien 8

 

 

 

Dem Sommer entgegen

 

Wir kommen nach Puerto Deseado und buchen gleich zwei Bootausflüge bei Roxana. Am nächsten Vormittag fährt das Gummiboot durch die windgeschützte Ria-Bucht. Vorbei an den Brutstätten der Rotfuß-Kormorane und am Trainingslager der jungen Seelöwen bringt der Kapitän uns zur Insel der Magellan-Pinguine. Zusammen mit Roxana sitzen wir am Kiesstrand. Vor uns die Jungtiere, die hier dick und fett 20 Tage ohne Futter ausharren, bis die neuen Federn nachgewachsen sind. Schlank, mit blütenweißer Brust und glänzendem Frack kehren sie zurück ins Meer. Jetzt gibt es wieder satt zu essen.

 

Am zweiten Tag fährt uns das Boot zur Insel im offenen Atlantik. Die See ist sehr ruhig. Eine Zeit lang begleiten uns zwei Delfine. Das Boot landet am schroffen Fels. Wir klettern schnell hinaus.

 

Am flachen Strand räkeln sich unzählige Seelöwen in der Sonne. Magellan-Pinguine stehen in Gruppen zur Begrüßung. Über die Felsen steigen wir zur anderen Seite, wo sich eine große Gruppe Felsenpinguine aufhält. Diese witzigen Punks stehen dort, hüpfen die Felsen rauf und runter und lassen sich durch uns nicht stören. Voll mit wunderschönen Eindrücken kommen wir zum Boot zurück. Der Kapitän hat es eilig von der Insel zu kommen. Der Wind wird immer stärker. Das leichte Gummiboot wird hoch gehoben und schlägt hart wieder auf. Salzwasser spritzt uns nass. Nach einer Stunde heftiger Galoppade erreichen wir unseren „Hafen“. Ich sehe, dass auch unser Kapitän aufatmet.

 

Jetzt fahren wir einige Tage weiter durch die patagonische Steppe, die wie ein riesengroßer, mehrere tausend Kilometer langer Sandkasten mit Kieselsteinen und vertrocknetem Grasbüscheln vor uns liegt.

 

Trelew, auch am Atlantik gelegen, wurde von den Walisern gegründet. Einige alte Kolonialbauten erinnern noch daran. Besonders interessant ist das Museum für Paläontologie. Hier sehen wir, wie sich unser Planet über hunderte Millionen von Jahren entwickelt hat. Klein und schmächtig stehen wir vor den versteinerten Beinknochen des bisher größten Dinosauriers. Der war 40 Meter lang und 70 Tonnen schwer. Seine Überreste wurden hier in der Nähe gefunden.

 

Nebenan im kleinen Gaiman gibt es noch einige walisische Teestuben, die wir natürlich ausprobieren. Die Einwanderer aus Wales wollten hier in Patagonien ungestört ihre Traditionen, ihre Sprache und ihren Glauben leben. Von der argentinischen Regierung erhielten sie Parzellen, die noch heute wie ein grünes Band am Fluss entlang liegen.

 

Wir erreichen Puerto Madryn, ein Seebad am Atlantik. Am langen Strand reihen sich die Badeanstalten mit Restaurants, Sonnenschirmverleih und allem was dazu gehört. Auch hier gibt es außerhalb eine Bucht, in der wir Seelöwen beobachten können.

 

Nach drei Tagen fahren wir zur Halbinsel Valdes, wo wir im Hotel am Leuchtturm wohnen. Wir genießen bei der Sommerhitze das kühle Zimmer und das eigene Bad. Das Wasser für unsere Dusche wird drei Kilometer entfernt aus 80 Meter Tiefe gepumpt. Es ist leicht salzig. Strom gibt es nur von 19:00 Uhr abends bis 08:00 Uhr morgens. Das Restaurant daneben bietet lecker Abendessen und Frühstück.

 

Peninsula Valdes ist eigentlich bekannt für die Wale, die dort jedes Jahr ihre Jungen zur Welt bringen. Aber sie sind im März nicht mehr hier. Doch die Insel ist ein Paradies für Pinguine, Vögel, Seehunde und See-Elefanten. Auch Orcas und Delfine fühlen sich hier wohl. Mit Leo, dem Guide vom Hotel, klettern wir am Morgen die steilen Klippen hinab zum Strand, wo wir bei einem ausgiebigen Spaziergang am Meer viele See-Elefanten aus nächster Nähe beobachten können. Bei einer Fahrt über die Insel ohne Klimaanlage läuft der Schweiß in Strömen. Aber es lohnt sich. Wir sehen viele Tiere, auch das flinke Gürteltier und die scheuen Maras.

 

So wie gutes Trinkwasser hier nicht selbstverständlich ist, so sind auch viele Straßen nicht befestigt. In vielen Orten stehen die Häuser an sandigen, erdigen Pisten. Bei Trockenheit liegt immer Staub in der Luft - draußen wie drinnen, bei Regen versinkt alles im Schlamm. Wie gut haben wir es bei uns. Selbst die Feldwege sind meist geteert.

 

(09.03.2018)

 

Fischerboote im Hafen. Seelöwen auf der Felseninsel. Kormorane sind monogam.

Start direkt aus dem Wasser. Die letzten Federn fliegen bald davon. Dicker Schreihals.

 

Fahrt aufs offene Meer. Flinker Begleiter. Badespaß der Halbstarken.

Magellanes als Empfangskomitee. Hinauf zum alten Leuchtturm. Und dann hinunter zu den Felsen der "Rockhoppers".

Noch schnell das Gefieder eingeölt und dann geht es ab ins Meer. Federn neu gestylt. Einfach nur sitzen und beobachten.

 

Immer wieder traumhafte Ausblicke. Im paläontologischen Museum. Seelöwen direkt neben der Straße in Punta Olivia. 

Trelew, die walisische Stadt. "Bitte um ein paar Streicheleinheiten!" Tea-Time für Zwei in Gaiman.

 

Puerto Madryn:

Kinderstube der Seelöwen - ganz ohne Männer. Das Ecocenter über dem Meer. Was so alles im Atlantik lebt.

Die niedlichen Cuis leben in Sandhöhlen an der Promenade. Alles wartet auf den Sonnenuntergang und genießt das Farbenspiel.

 

Peninsula Valdes:

Bucht bei Puerto Piramides. Die Kapelle (Nachbau) der ersten spanischen Siedler. Rosa Salzseen auf der Halbinsel.

Ideale Bedingungen für Meeressäuger. Leo fängt für uns ein Gürteltier. Die Darwin-Eidechse.

Diese merkwürdigen Gesellen heißen Maras. Guanaco, immer auf der Hut. Familie Nandu beim Abendspaziergang.

 

Tour zu den See-Elefanten:

Niedliches Pummelchen mit wunderschönen Augen! Voll entspannt und paniert mit Sand. "Hallöchen, ihr alle!"

Ein Schläfchen in Ehren ........Natürlicher Pool in fossilem Gestein. Wer beobachtet hier wen??

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Kommentare: 3
  • #1

    Sonja (Freitag, 16 März 2018 10:51)

    Endlich komme ich zu dem Genuss von euch zu lesen. Einzutauchen in eine unglaubliche Vielfalt der Natur und Menschenfreundlichkeit. Dank euerer Bilder macht meine Fantasie Purzelbäume und am liebsten wäre ich ansatzweise mit dabei.
    Bis zum nächsten mal...
    Sonja

  • #2

    Dagmar (Sonntag, 18 März 2018 11:21)

    Hallo ihr Lieben, wie immer genieße ich eure wunderschönen Texte und Fotos. Bitte für mich mitbringen: Die Katze, das Gürteltier und das Teegebäck. Schon mal vielen Dank im voraus. ....schmunzel...schmunzel! Ich glaube die Bootsfahrt hätte mich auch ein bißchen aus dem Gleichgewicht gebracht. Wir "genießen" hier mal wieder Schnee. Aber eure Fotos bringen soviel Sonne ins Herz, da wird das Sauwetter einfach ignoriert. Machts weiterhin gut!!!

  • #3

    Marianne (Mittwoch, 21 März 2018 12:49)

    Hallo Ihr Rechtsdielandkartehochfahrenden.

    Menno. Jetzt bin ich zu spät und die Katze ist weg.

    Aber halb so schlimm, soll Damar sie erziehen und ich nehm die beiden Hübschen dann im Urlaub.
    Gutes Gelingen und dickes Abrazo
    Marianne